Home to Home

Von Wiesbaden nach Brohl und zurück

Vor sechs Jahren fand unser erster Home to Home run statt. Das war eine anstrengende 12-stündige Paddeltour mit insgesamt 116,4 Rhein-Kilometer, die wir ab Bingen bis Brohl mit Gegenwind absolvieren mussten, was sehr kräfteraubend war. Das hatte zur Folge, dass die Tour all die Jahre ein Gesprächsthema bei mir (Marc) und Thomas war. Dennoch fehlte die finale Motivation, es noch einmal zu versuchen.

 

Dieses Jahr hatten wir wieder den festen Vorsatz, von Wiesbaden nach Brohl zu paddeln mit dem Ziel, die 12-Stunden-Marke zu unterbieten. Dieses Mal aber hoffentlich mit besseren Bedingungen. Allerdings fehlte uns noch der gewisse Kick: Nur paddeln erschien uns nicht genug.

 

Als ich Thomas zusätzlich berichtet habe, dass ich irgendwann einmal gerne mit dem Fahrrad nach Wiesbaden fahren möchte, kam Thomas auf eine glorreiche Idee, nach unserer Paddeltour am darauffolgenden Tag mit dem Fahrrad nach Wiesbaden zu fahren, um das Auto wieder abzuholen.

 

Schnell fanden wir ein passendes Wochenende, den 09. und 10. August 2025. Nach der Terminfindung begannen die Vorbereitungen, sportlich und vor allem mental. Sportlich beschränkten wir uns hauptsächlich auf Fahrradeinheiten zur Arbeit; paddeln taten wir eher sporadisch. Mental allerdings redeten wir fast noch mehr Unsinn, um uns auf die möglichen 12 Stunden auf dem Wasser einzustimmen.

 

Am 09. August starteten wir um 6:30 Uhr mit dem Auto nach Wiesbaden. Im Gepäck waren Anspannung und Freude. Die Wettervorhersage versprach Sonnenschein und der Rhein hatte einen guten Wasserstand. Neben Verpflegung packte Thomas auch Kopfhörer ein, wohl um eventuelles „zu viel Gerede“ von meiner Seite zu umgehen, was ich als kleine Schwäche wertete. Ich konterte mit einem auffälligen kurzärmeligen Blumenhemd, um seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken auf dieser Tour.

 

Um 8:15 Uhr setzten wir uns ins Boot. Bis Bingen war es erwartungsgemäß schleppend, kaum Strömung und viele Kilometer lagen noch vor uns. Ab Bingen kamen wir endlich in Fahrt und konnten Geschwindigkeit aufnehmen, bis ein hupendes Schiff uns Zwang, die Fahrrinne zu räumen. Stunde um Stunde wurden wir schneller. Die besten 10 Kilometer legten wir in 45 Minuten zurück.

 

Doch ein Hupen reichte uns nicht. Nach weiteren 20 Kilometern folgte ein zweites, sehr energisches Signal, dem wir schnell nachkamen und wieder einmal aus der Fahrrinne gepaddelt sind. Kurz vor unserer ersten Pause an Land, vor Boppard, gab es ein drittes Hupen – diesmal aber ungerechtfertigt.

 

Nach einer halbstündigen Pause inklusive kurzem Schläfchen ging es weiter. Wetter und Stimmung waren weiterhin gut. So gut, dass wir bereits um 19 Uhr in Brohl ankamen. Nach dem Paddeln hatten wir noch Kraft und Lust auf ein Bier um den gelungenen Tour Tag zu beenden. Danach hieß es, ab ins Bett und Kraft sammeln für die 123 Kilometer auf dem Fahrrad am nächsten Tag.

 

Am Sonntag, den 10. August, trafen wir uns um 8 Uhr zum Start der Rückfahrt. Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug, die Beine spielten gut mit und das Wetter passte. Die Route verlief rechtsrheinisch und erinnerte uns daran, wie schön unsere Heimat ist.

 

Etwa 30 Kilometer mussten wir auf Bundesstraßen fahren, meist jedoch auf Fahrradwegen daneben. Auf der Straße fuhren wir hintereinander und wechselten uns regelmäßig an der Spitze ab, um den Windschatten zu nutzen. Mein Windschatten für Thomas fiel etwas kleiner aus doch nach 20 Kilometern, kurz hinter der Loreley, hatten wir Glück. Ein E-Biker mit rund 30 km/h Geschwindigkeit bot uns für zehn Kilometer einen perfekten Windschatten an. Nach kurzem Kontakt mit Ihm gab er die Erlaubnis weiter hinter Ihm zu bleiben, Er bezeichnete sich selbst als „schöne Schaltafel“.

 

Nach Kaub war unsere „Schaltafel“ allerdings gezwungen, eine Trinkpause einzulegen, während wir ohne Pause weiterfuhren. Langsam wurden die Beine schwerer und das Tempo geringer. Das Ziel war bis Rüdesheim durchzufahren. Dort machten wir eine zehnminütige Pause und füllten unsere Flaschen auf.

 

Bei der Einfahrt nach Rüdesheim hörten wir plötzlich von hinten: „Ei Gude, hier bin ich wieder!“ Unser E-Biker war zurückgekehrt. Bis dahin hatten wir schon 100 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt.

 

Die letzten 23 Kilometer zogen sich nochmal, doch nach 5 Stunden reiner Fahrzeit kamen wir schließlich in Wiesbaden an. Dort mussten wir unseren Kalorienhaushalt erst einmal auffüllen und steuerten das „Haus des Döners“ an. Binnen Sekunden war das Essen verputzt.

 

Dank der frühen Ankunft um 13 Uhr blieb noch genug Zeit, meine Eltern zu besuchen. Im Garten bei Kaffee und Wasser sammelten wir weitere Kräfte.

 

Nach der Pause fuhren wir dann von „zu Hause“ (Wiesbaden) zurück nach Hause (Brohl). Ganz im Sinne des Namens der Tour „Home to Home Run“.

 

Den Abend ließen wir bei einem leckeren Abendessen von Petra ausklingen und reflektierten die Tour und das Wochenende.

 

Fazit:

Beide sportlichen Aktivitäten, Paddeln und Radfahren liefen besser als erwartet. Nun stellt sich die Frage: Welche Tour nehmen wir uns im nächsten Jahr in unserer Umgebung vor?